Warum man bei Change.org als “Max Mustermann” unterschreiben darf

von Sergius Seebohm, Change.org Deutschland

Letzte Woche erlebten wir auf unserer Plattform die am schnellsten wachsende Petition, die wir jemals auf Change.org gesehen haben. In nur wenigen Tagen stieg die Zahl der Unterschriften auf über zwei Millionen. Diese Petition versuchte, gegen etwas anzugehen, was viele als Ungerechtigkeit empfunden hatten - nämlich die Wertung des Eiskunstlaufs der Damen bei den Olympischen Winterspielen. Der Initiator oder die Initiatorin der Petition war anonym und nannte sich “Justice Seeker”.

Das passt zu einem Besuch den uns heute ein Team des Bayerischen Rundfunks abstattete. Natürlich haben wir uns über das Interesse an Change.org gefreut. Bei einem langen Gespräch über die neuen Möglichkeiten durch Online-Petitionen kam eine ähnliche Frage auf: Warum kann man bei Change.org mit Max Mustermann unterschreiben? Die Frage finden wir so wichtig, dass wir sie in einem Beitrag mit Euch diskutieren möchten.

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Das BR-Team justiert seine Kamera in unserem Büro

Zunächst: Es stimmt. Man kann bei Change.org mit dem Namen “Max Mustermann” unterschreiben. Warum? Kümmert sich Change.org nicht darum, ob die Unterschriften auf den Petitionen korrekt sind? Die Antwort lautet: Es ist sogar eines unserer wichtigsten Anliegen.

Wir sind eine Plattform für Aktivisten, für Menschen, die etwas verändern wollen. Wir wollen, dass Menschen sich mit unserer Plattform für Menschenrechte oder für jedes andere Thema einsetzen können, das ihnen wichtig ist. Aber dabei respektieren wir die Wünsche unserer Nutzer zu ihrer Privatsphäre. Und ebenso wie man auf einer papiernen Unterschriftensammlung in der Fußgängerzone mit falschem Namen unterschreiben kann, so kann man das auch auf Change.org.

Natürlich ist die Zuverlässigkeit unserer Abstimmungsergebnisse eines unserer wichtigsten Anliegen. Aber ist diese Zuverlässigkeit von “Max Mustermann” bedroht? Hier sind vier Gründe, warum wir “Max Mustermann” zulassen:  

1. Wer Schutz braucht, braucht Schutz

Wir wünschen uns, dass alle mit ihrem echten Namen zu ihren Themen stehen können. Aber uns ist klar, dass das nicht immer leicht ist. Change.org gibt es in 196 Ländern der Welt. Nicht in allen Ländern der Welt kann man gefahrlos jedes politische Thema unterstützen. Und auch bei uns in Deutschland möchte man vielleicht auch z.B. nicht, dass bestimmte Dinge zum eigenen Arbeitgeber gelangen. Man kann auf Change.org auch komplett anonym unterschreiben.

Aber wenn jemand ein Pseudonym braucht, sind wir nicht diejenigen, die glauben, das besser zu wissen. Die Korrektheit unserer Abstimmungsergebnisse hat für uns oberste Priorität. Aber wir respektieren die Privatsphäre unserer Nutzer. 

2. Falsche Konten und Unterschriften entfernen wir

Wir sind nicht naiv. Wir wissen, dass es Menschen gibt, die — warum auch immer — das Ergebnis einer Petition verfälschen wollen. Wenn sich jemand mit einer Mailadresse registriert, die es nicht gibt, entfernen wir die jeweilige Unterschrift im Nachhinein.

3. Systematische Verfälschungen verhindern wir

Der Vorwurf hinter dem Vorwurf, dass man mit “Max Mustermann” unterschreiben kann lautet: Die Anzahl der Stimmen unter einer Petitionen könne man manipulieren. Das ist falsch. 

Es wäre ein Problem, wenn jemand tatsächlich böswillig die Zahl der Unterschriften unter einer Petition systematisch und massiv nach oben treiben möchte. Solche Versuche kommen selten vor, aber sie werden von uns bemerkt, unterbunden und das Abstimmungsergebnis korrigiert.

Wir haben eine ganze Reihe von technologischen Sicherheitsmaßnahmen und ein Team von Softwareingenieuren, die Muster in systematischen Verfälschungsversuchen erkennen und abstellen können.    

4. Es gibt Menschen, die heißen so

Bundesweit gibt es übrigens mindestens hundert Menschen, die mit Nachnamen Mustermann heißen. Einschließlich mindestens ein Max.

Wir möchten sicherstellen, dass alle Menschen sich erfolgreich und sicher für die Welt einsetzen können in der sie leben möchten. Alle. Auch die anonymen “Justice Seeker”. Auch die Mustermanns. 

Was denkt Ihr dazu?

Vom deutschen Change.org-Team

2013 war ein gutes Jahr. Warum? Weil IHR gemeinsam mit 50 Millionen anderen Menschen viel erreicht habt. Um mit Euch die unglaublichsten Erfolge des Jahres Revue passieren zu lassen, haben wir ein kurzes Video gemacht: Ein todkrankes Mädchen bekommt neue Lungen, ein Soldat verschafft seinem Übersetzer aus Afghanistan ein lebensrettendes Visum, eine junge Mutter ändert den Koalitionsvertrag zugunsten der Hebammen, und und und.

Was willst Du verändern? change.org

Produced and directed by UNKOMMON, Editorial by Captain & The Fox, Adaption by Sven Janke

Unternehmen, die die Welt besser machen

von Sergius Seebohm, Change.org Deutschland

Die Website Business Insider hat sich damit beschäftigt, welche Unternehmen am bekanntesten dafür sind, einen Unternehmenszweck zu haben, der auf das Gemeinwohl zielt. 

"Die Zeiten sind vorbei, in denen man das Hollywood-Image von Unternehmen geizige Firmen zeichnete, deren einziges Ziel war, Geld auf Kosten von allem anderen zu machen", schreibt Julie Bort in ihrem Beitrag. Wichtiges Merkmal der neun Unternehmen, die sie auflistet, ist die externe Zertifizierung. Viele Unternehmen wissen, dass es nicht reicht, sich als soziales Unternehmen darzustellen. Man muss auch die Motorhaube öffnen und Dritten den Einblick gestatten. Nur so kann man transparent absichern, dass kein Ettikettenschwindel betrieben wird. Hierfür setzt sich immer mehr das Zertifikat von B-Labs durch, einem Zertifizierer, der sich auf die Community der “businesses for good” spezialisiert hat.  

Eine spannende Entwicklung an der Change.org teilnimmt. Ich freue mich auf jeden Fall, dass Julie Bort unsere Plattform in ihrer Liste als erstes nennt. ;) 

von Sergius Seebohm, Change.org Deutschland

Die altehrwürdige BBC hat sich mit unseren Kollegen in Großbritannien getroffen. Nachdem immer mehr Menschen mithilfe von Change.org-Petitionen spektakuläre Erfolge erzielen konnten, war der Sender aufmerksam geworden. 

Der Beitrag spricht das interessante Thema eines “Power-Shifts”, einer Machtverschiebung an: Online-Petitionen geben Menschen eine Stimme, die bisher im großen Konzert reichweitenstarker Medien, institutionalisierter Politik und großen Unternehmen nicht gehört wurden. Ganz “normale” Menschen, die sich dazu entschieden haben, etwas ändern zu wollen, können sich in dieses Konzert plötzlich einschalten.

Der Beitrag präsentiert zur Untermauerung der These starke Beispiele: Caroline Criado-Perez ist keine Lobbyistin. Sie ist keine Journalistin oder Politikerin. Und doch konnte sie durchsetzen, dass künftig die Schriftstellerin Jane Austen auf der 10-Pfund-Note abgebildet sein wird  - und nicht ein weiterer Mann, wie ursprünglich geplant.  An der Idee der Machtverschiebung ist etwas dran.

Verändern jetzt Mädchen die Welt?

von Sergius Seebohm, Change.org Deutschland

Heute ist Internationaler Mädchentag der Vereinten Nationen. 250 Mädchen und junge Frauen aus aller Welt kommen in New York City zusammen, um zu feiern, voneinander zu lernen und um zu überlegen, wie man die Welt verändern kann.

Zwei dieser Mädchen von der Organisation SPARK werden im Laufe des Tages auf dieser Konferenz über die Kraft des Internets und Social Media sprechen, auch indem sie über die großen Erfolge sprechen, die Mädchen unter 18 mit der Nutzung von Change.org erzielt haben. Sie werden dann die 250 Mädchen auffordern, ebenfalls ihre Themen per Online-Petition auf den Weg zu bringen. Einige der Mädchen sind von den UN als Botschafterinnen für das Thema ausgewählt und haben bereits bemerkenswerte Kampagnen gestartet.

Ihr findet all diese Kampagnen unter http://www.change.org/DayofTheGirl, wo in Kürze auch die weiteren der von den von Mädchen gestarteten Themen gesammelt sein werden.

Katy Ma (17) aus Doylestown, Pennsylvania und Mehar Gujral (17) aus Edison, New Jersey sind bei Mitglieder von SPARK und ihre Idee, auf die Kraft des Netzes abzuheben, ist aus einem Grund besonders großartig:

In manchen Teilen der Welt erleben Mädchen besonders viele Widerstände, wenn sie selbstbestimmt leben wollen. Einer dieser Gründe ist oftmals Armut. Ich weiß, dass damit auch oft einhergeht, dass Mädchen keinen Zugang zum Internet haben. Aber überall dort, wo das der Fall ist, kann das Netz seine ganze Wirkung als höchst preiswertes aber zugleich höchst wirksames Organisationsinstrument entfalten. Also auch und gerade für Mädchen, die Gesellschaften leben, in denen ihnen nicht automatisch alle Türen offen stehen.    

Warum ich das meine: Mädchen unter 18 haben Online-Petitionen bereits bei früheren Gelegenheiten genutzt, um sich für Veränderung einzusetzen:

  • Die 16-jährige Esha Marwaha aus Großbritannien führte eine erfolgreiche Kampagne gegen Bildungsminister Michael Gove, um den Klimawandel im Lehrplan von Schulen zu halten.

  • Die 15-jährige Sarah Kavanagh aus Hattiesburg  in Mississippi brachte den Getränkegiganten Gatorade dazu, eine potenziell schädliche Chemikalie nicht weiter einzusetzen

  • Drei Teenagerinnen: Emma Axelrod (15), Elena Tsemberis (16) und Sammi Siegel (15) aus Montclair in New Jersey fanden es unfair, dass die TV-Duelle zwischen Obama und Romney von keiner Frau moderiert werden sollte und überzeugten die verantwortliche Kommission mit einer Petition.

  • Die 10-jährige Abby Goldberg aus Grayslake in Illinois überzeugte ihren Gouverneur, einen Gesetzesetwurf zu verhindern, der das Verbot von Plastiktüten unmöglich gemacht hätte.

  • Die 17-jährige Nazlı Selin Özkan aus Istanbul verhinderte mit ihrer Petition den Verkauf ihrer italienischen Schule durch die italienische Botschaft.

Ich bin gespannt, was die 250 Mädchen heute in New York beratschlagen und für welchen Anliegen sie Kampagnen starten.

Change.org auf der Social Media Week Berlin 2013

Vom Change.org-Team aus Berlin

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Es ist September und allmählich merkt auch jeder und jede, dass wir Wahlkampf haben. Und was ist nach dem 22. September?

Erfahrungsgemäß gehen die Umfragewerte der Gewählten direkt nach dem Wahlkampf nach unten. Die Lust auf Wandel steigt. Wir freuen uns deshalb, auf der Social Media Week Berlin, am Mittwoch nach der Wahl einen gesamten Tag zu Online Campaigning zu präsentieren. Die Social Media Week ist eine der weltweit führenden Medienkonferenzen mit Events in Nord- und Südamerika, Europa, Asien und Afrika. Und deshalb Berlin!

Unter dem Motto „We are hungry for change!” laden wir nun NGOs, Organisationen, Aktivisten, Kommunikatoren und Sozialunternehmer ein, zusammen zu kommen, voneinander zu lernen und zu diskutieren. Ein ganzer Tag voller Wissen über digitalen Aktivismus und Online Campaigning - nicht nur für NGOs.

Das Ganze ist komplett - von Morgens bis Abends kostenlos. Aber: Für jedes Event müsst Ihr Euch bitte einzeln auf der Webseite der Social Media Week anmelden, damit die Organisation reibungslos klappt.

Mittwoch, 25.09.2013
Designakademie Berlin im Aufbauhaus
Prinzenstr.85, 10969 Berlin
10.00 bis 20 Uhr

Programm

I. 10.00 Uhr: Introduction to Online Campaigning - Welt retten mit Internet

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Paula Hanneman, Change.org

Die erste Keynote des Tages bietet spannende Einblicke in das Online Campaigning. Wie können sowohl Organisationen als auch Einzelpersonen Unterstützer finden und mobilisieren? Welche wichtigen Trends gibt es im Online Campaigning und wie fordern diese das Berufsfeld des Campaigners heraus? Diese Keynote eröffnet den Hungry for Change-Tag der Social Media Week mit spannenden Best Practices und den Prinzipien des Online Campaigning. Im Vortrag angerissene Themen werden in den nachfolgenden Workshops, Keynotes und Panels vertieft.

II. 11.00 Uhr: Online fundraising - What about the money?

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Jörg Eisfeld-Reschke, Ikosom

Fundraising-Know-How: Wie generieren ich die notwendige Finanzierung für gute und wichtige Arbeit? Jörg Eisfeld-Reschke spricht 45 Minuten lang über Möglichkeiten und verfügbare Werkzeuge für Online Fundraising. Nach der Keynote gibt es die Möglichkeit für ein intensives Q&A. Bringt gern Eure wichtigsten Fragen mit.

III.a 12.15 Uhr: Offline Mobilisierung - Wie man Leute auf die Straße bringt

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Günter Metzges, Campact

Inhalt: In wenigen Tagen hier.

III.b 12.15 Uhr: SPECIAL Campaigns Clinic - We will coach you to death

Paula Hannemann, Change.org
Jeannette Gusko, Change.org

NGOs sind eingeladen, sich mit ihren Fragen zu Online Campaining von Expertinnen im Feld beraten zu lassen. Einfach hier registrieren und für Beratungstermin bis 23.09. eine E-Mail an jeannette@change.org schicken.

IV. 13.30 Uhr: Campaigns bootcamp - Let’s do epic sh*&#%$t.

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Tobias Kahler, ONE
Martin Hoffmann, MDR
Jeannette Gusko, Change.org
Van Bo Le Mentzel, Hartz IV-Möbel

Das Campaigns Bootcamp ist pure Wissensessenz. Drei Experten und Expertinnen geben eine 20-minütige Einführung in Spezialfelder des Online Campaignings: Lobbying, Storytelling, Hashtag Campaigning.

Wir kann ich das Internet nutzen, um Entscheidungsträger auf mich aufmerksam zu machen und wann trete ich am besten mit ihnen ins Gespräch? Wie kann ich eine Community mit spannenden Inhalten unterhalten und Geschichten erzählen, welche ihr Herz berühren?
Wie plane und führe ich Hashtag-Kampagnen durch und erreiche, dass Menschen über ihre Alltagserfahrungen twittern?
Danach fällt die Entscheidung schwer: Mit wem möchte ich tiefer einsteigen? Es verbleibt eine Stunde für tiefergehende Diskussion, Entwicklung eigener Kampagnenideen und Case Studies. Lernt die Tricks von erfahrenen Kampagnenmanagern und Journalisten und bringt Euch ein.

V. 15.45 Uhr: Space Activism - Über geo-lokalisierte Mobilisierung und Spenden per Smartphone

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Daniel Kruse, WigWam

Auf uns wartet das „Internet der Dinge”: Intelligente Gegenstände, die Daten sammeln, mit Menschen im Raum interagieren und - so die Hoffnung - das Leben leichter machen. Welche Chancen eröffnen sich hierbei für die Zivilgesellschaft?

Zum Beispiel gibt UNICEF seinen Spendern einen Chip in die Hand, über den sich die eigenen Freunde ebenso mit der Organisation vernetzen können. Denkbar sind Spendenaufrufe auf unterschiedlichsten Werbeträgern, die adressgenau auf ihren Erfolg hin analysiert werden können. Bei Großveranstaltungen könnten sich schließlich Menschen mit ähnlichen Interessen per Handy finden und für die gemeinsame Sache zusammenschließen.

Gemeinsam schauen wir uns die ersten Best-practices für “Space Activism” an und suchen nach Anwendungsmöglichkeiten für Ihre Organisation.

VI. 16.45 Uhr: Campaigns on Social Media - Measuring your impact

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Patrick Widera, ikosom

Mit welchen Werkzeugen lässt sich der Return on Impact am besten messen? Wie kannst du zeigen, dass sich das Investment in soziale Medien ausgezahlt hat? Mit welchen Werkzeugen lassen sich Prozesse verfolgen und welche Organisationen evaluieren bereits erfolgreich?

VII. 18.00 Uhr: Wahlen, Petitionen, Social Media - Wie sieht die Demokratie von morgen aus?

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Wolfgang Gründinger (Moderation)

Prof. Olaf Hoffjann, Professor für Medienmanagement, Ostfalia Hochschule
Martin Rücker, Foodwatch
Thomas Krüger, Präsident bpb

Ute Pannen, SPD Forum Netzpolitik
Raul Krauthausen, sozialhelden.de
Anne Wizorek, #aufschrei

Alle vier Jahre bestimmen die Bürgerinnen und Bürger den Kurs unseres Landes per Wahlentscheidung. Aber Mitwirkung an der Gestaltung der Gesellschaft ist viel kontinuierlicher und vielschichtiger. Föderalismus, Kommunen, Verbändelandschaft, Vereine, Bürgerinitiativen und seit wenigen Jahren auch Beteiligung im Netz: Partizipation ist heute analog und digital, institutionalisiert und situativ. Eine schöne neue Welt des Pluralismus oder bleiben manche von uns zurück? Gestalten Menschen lebendig mit oder führen uns die zahllosen Mitsprachemöglichkeiten in eine selbstblockierte “Dagegen-Republik”? Drei Tage nach der Bundestagswahl diskutieren Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und der Aktivistenszene über die Demokratie von morgen.

viii.) 19.00 Uhr: Land Grabbing is fun! How Games bring campaigns to life

WigWam/ Welthungerhilfe

Grap&Drop: Mit dem Online-Spiel „Das kostet die Welt“ werden die dramatischen Folgen des “Land Grabbing” interaktiv und informativ aufbereitet. Neben einer guten Portion Sarkasmus zeigt die Welthungerhilfe, wie Regierungen, Großkonzerne und private Investoren die wertvollen Ressourcen wie Ackerfläche und Wasser stehlen und damit die Versorgung der Bevölkerung gefährden. Am Ende zeigt sich, was wirklich auf dem Spiel steht und wie man konkret gegen den modernen Kolonialismus vorgehen kann. Wir sagen: Alles muss raus! Jetzt zugreifen.

Wie Change.org wächst und dabei seinen Zielen treu bleibt

von Ben Rattray, Gründer und CEO von Change.org

Letztes Jahr bekam ich eine besorgte E-Mail von einem Freund, der ein erfolgreicher Internetunternehmer ist. Er hatte mich kürzlich öffentlich sagen hören, dass wir Change.org niemals verkaufen oder an die Börse bringen würden und dass wir uns stattdessen verpflichten, eine unabhängiges, wertebasiertes Unternehmen zu bleiben mit Fokus auf sozialen Wandel. Er hatte auch gehört, dass wir Finanzierungsangebote von einigen der weltweit führenden Risikokapitalgeber abgelehnt hatten, weil sie nicht genau zu unseren Zielen und Werten passten.

Er schrieb mir, ich sei wohl verrückt.

Ich schrieb ihm natürlich zurück. Und ich schrieb, dass ich seine Bedenken zwar nachvollziehen könnte. Aber mir sei es wichtiger, ein Unternehmen aufzubauen, das auf nachhaltigen Wandel abzielt und dass das bedeutet, Dinge anders zu machen. Dazu gehört, wie wir das Unternehmen aufbauen und von wem wir Investitionen annehmen.

Das war nicht das erste Mal, dass ich auf Unverständnis gestoßen bin. Ich habe Change.org 2006 als Non-Profit-Organisation gegründet, aber entschieden, es vor unserem Launch in ein Social Business umzuwandeln. Mir war klar geworden, dass wenn wir eine Plattform bauen und schnell wachsen lassen wollten, die es aushält, hunderte Millionen von Menschen dabei zu unterstützen, sich für sozialen Wandel einzusetzen, dass wir diesen Menschen besser behilflich sein könnten, wenn wir als Unternehmen und nicht als Non-Profit-Organisation strukturiert sind.

Seitdem haben Leute versucht, uns in bestehende Schubladen zu stecken, die schlicht nicht mehr zeitgemäß sind. Im Non-Profit-Sektor können viele nicht verstehen, warum wir ein Unternehmen sind, wenn wir uns doch so sehr für Veränderung einsetzen. Viele Unternehmer und Geschäftsleute finden es schwer zu verstehen, warum wir auf andere Dinge schauen als auf maximalen finanziellen Erfolg.

Dieses Unverständnis rührt vorallem daher, dass das Feld von Sozialunternehmen noch in seinen Kinderschuhen steckt. Während es weltweit bereits einige herausragende Sozialunternehmen gibt, ist dieses Modell von sozialem Wandel noch immer nicht weit verbreitet oder bekannt. Aber das wird es bald sein - und wir sehen bereits selbst, was mit diesem Ansatz alles möglich ist.

In den vergangenen zwei Jahren sind wir von einer Million auf mehr als 40 Millionen Nutzer gewachsen. Wir haben in 18 Länder expandiert und jeden Tag sind Menschen mit ihren Kampagnen und Anliegen erfolgreich. Sie verhindern, dass ländliche Schulen in Thailand geschlossen werden. Sie engagieren sich für breitere Fahrradwege in Buenos Aires oder sichern die Gesundheitsversorgung für Feuerwehrleute in den USA.

Was diesen Erfolg trägt ist unser skalierbares Finanzierungsmodell, das nachhaltigen Wert für andere Organisationen schafft - in erster Linie für Non-Profit-Organisationen und politische Kampagnen. Es ermöglicht uns, ein Weltklasse-Team von 170 Menschen zu beschäftigen, die kostenlose Werkzeuge bauen und kostenlos Millionen Menschen mit Know-How unterstützen, die weltweit versuchen, sozialen Wandel anzustoßen.

Uns war immer bewusst, dass wir mit zusätzlichen Mitteln sogar noch schneller vorankommen könnten. Als Unternehmen haben wir besseren Zugang zu Investitionen als Non-Profit-Organisationen. Aber eine Herausforderung, die sich uns stellte, war, dass es zwar wenige Unternehmen gibt, die in diesem Sektor global agieren; es gibt aber noch weniger Investoren, die bisher das Potenzial sozialer Unternehmen erkannt haben.

Eine bemerkenswerte Ausnahme ist das Omidyar Network, ein Pionier für wertebasierte Investitionen. Gestartet vom ebay-Gründer Pierre Omidyar ist das Omidyar Network einer der ersten Investoren, der sowohl Non-Profit-Organisationen als auch Sozialunternehmen Anschubfinanzierungen gibt. Dort hat man verstanden, dass manche soziale Herausforderungen effektiver von Unternehmen angegangen werden können, als von Non-Profit-Organisationen.

Diese einzigartige Struktur erlaubt dem Omidyar Network, innovative Non-Profit-Organisationen die wie Geld-Verleih-Plattform Kiva und sozial wertvolle Unternehmen wie Meetup zu fördern.

Vor mehr als einen Jahr begannen wir, mit den Leuten bei Omidyar Network über unsere jeweiligen Vorstellungen zu sprechen und haben viele Gemeinsamkeiten festgestellt.

Wie wir glauben sie an die Macht der Vielen überall auf der Welt, Veränderungen anzustoßen, wenn sie nur die Möglichkeit dazu bekommen. Aber anders als andere Investoren verstehen sie auch unsere Struktur bei Change.org: dass wir niemals verkaufen oder an die Börse gehen wollen. Und sie erkennen an und respektieren, dass unser Gründerteam die Kontrolle über die Unternehmung behalten und sicherstellen will, das wir unseren Zielen treu bleiben.

Dank dieser zahlreichen Übereinstimmungen freue ich mich sagen zu können, dass wir eine Investition in Höhe von 15 Millionen Dollar Omidyar Network einwerben konnten. Sie wurden begleitet von Investoren wie Uprising, einem neuen sozialen Investmentfonds.

In den vergangenen Jahren hatten wir die Vision einer ausgedehnten Technologieplattform, von der wir sicher sein können, dass sie die Machtgefüge in der Welt demokratisieren kann. Und nun verfügen wir über die Ressourcen, um ein Produkt zu entwickeln und ein Entwicklerteam zu beschäftigen, das diese Idee Wirklichkeit werden lässt.

In den nächsten Monaten werden wir Tools bauen, die Hunderte Millionen Menschen weltweit effektiv unterstützen. Wir werden unser bestehendes Instrumentarium verbessern, das Menschen in die Lage versetzt, auf unserer Plattform Bewegungen zu starten. Wir werden das Nutzererlebnis auf der Plattform personalisieren, um Menschen noch besser mit den Themen und Organisationen in Kontakt zu bringen, die ihnen wichtig sind. Wir werden sicherstellen, dass Menschen sich über jedes Endgerät organisieren können und wir werden auch völlig neue, disruptive Werkzeuge für bürgerschaftliches Engagement entwickeln.

Auf unserem Weg dahin werden wir weiterhin Dinge tun, von denen manche Menschen vielleicht denken, dass sie verrückt sind. Wir werden uns weiterhin ausschließlich auf unsere Ziele konzentrieren. Wir werden in Bereichen investieren, von denen manche Menschen denken werden, dass sie niemals finanzielle Erträge abwerfen und wir werden weiterhin unsere Unabhängigkeit wahren.

Das bedeutet nicht, dass uns praktische Dinge wie finanzieller Ertrag gleichgültig sind. Im Gegenteil: Wir werden weiterhin daran arbeiten, Organisationen Bezahlangebote zu machen, die ihnen einen Mehrwert bieten. Wir können unsere Vision von der Befähigung zu bürgerschaftlichem Engagement nur erreichen, wenn wir unseren Umsatz weiterhin so entwickeln, dass wir damit das Wachstum unserer Plattform und das unseres Mitarbeiterstabs finanzieren können. Aber der Umsatz ist Mittel zum Zweck, nicht der Zweck selbst.

Obwohl dieser wertegebunde Ansatz derzeit noch ungewöhnlich sein mag, denke ich, dass er nach und nach immer häufiger anzutreffen sein wird. Ich glaube, dass die vielversprechendsten Chancen für sozialen Wandel darin liegen, die Kraft von Unternehmen für die Lösung der großen sozialen und ökologischen Probleme einzuspannen. Wir möchten zeigen, dass es möglich ist, ein erfolgreiches Technologieunternehmen aufzubauen, das sich auf gesellschaftliche Veränderung spezialisiert. Und währenddessen ermuntern und inspirieren wir - zusammen mit einer wachsenden Anzahl erfolgreicher Sozialunternehmen - hoffentlich eine immer größere Zahl von Unternehmen, Investoren und Partnern, sich dieser wachsenden Bewegung  anzuschließen.

Wenn es etwas gibt, was mich bezüglich des Potenzials dieses Bruchs mit der traditionellen Art Unternehmen zu führen besonders hoffnungsvoll stimmt, dann ist das die Begeisterung, die ich bei jungen Menschen beobachte, wenn sie von neuen Wegen erfahren, in dieser Gesellschaft einen Unterschied zu machen.

Ich habe das erst vor Kurzem erlebt, als ich an der Stanford Universität eine Rede vor den neuen Erstsemestern hielt, darunter Studenten aus dutzenden Ländern.

Eine junge Frau kam danach zu mir und sagte, dass alle Leute, die sie getroffen hatte, an wichtigen sozialen Problemen arbeiten wollten. Sie fragte mich, ob ich nicht Sorge hätte, dass zukünftig nicht genügend Menschen bereit wären, in „normalen” Unternehmen zu arbeiten.

Ich meinte, das sei derzeit kein Problem aber ich hoffte, wir könnten dazu beitragen, dass es eines wird, wenn sie ihren Abschluss macht.

Manche werden das vielleicht verrückt nennen. Aber es ist auch verrückt anzunehmen, dass Menschen überall auf der Welt nationale Gesetze und das Verhalten multinationaler Konzerne mit einem einfachen Petitionswerkzeug verändern können. Und trotzdem passiert genau das jeden Tag auf Change.org überall auf der Welt. Und wir fangen gerade erst an.